

"Meine
Eltern sind beide angesehene Leute. Heilpraktikerin und Diplomingenieur.
Die können es sich nicht leisten, eine Feier zum qualifizierten
Hauptschulabschluß zu geben. Das muß mehr sein. Nun gut."
(Benjamin Lebert, "Crazy")
Dabei hat er es in der fünften Schule, die er besucht, denkbar
einfach. In dem Internat Neuseelen, so eine Lehrerin, "käme
es auf liebevolle und konsequent verbindliche Werte und soziale Kompetenzen
an". Im Gegensatz zu staatlichen Schulen sitzen hier nicht
"um die fünfunddreißig", sondern nur zwölf
Schüler in einer Klasse. Benni hilft das wenig, seine Probleme
werden dadurch nicht kleiner, er fügt sich nicht ein in das System.
Am Ende bleibt es dabei: "Alles, was wir können, ist zu
schauen. Zu warten und zu schauen. Was auf uns zukommt."
Die Erzählungen dieses Bandes zeigen, daß sowohl die Figur
Benni als auch der Autor Benjamin Lebert in den Jahren um 1900 bemerkenswert
viele Vorgänger hat. Darüber hinaus läßt sich der
Roman "Crazy" als Zeichen einer Bildungskrise interpretieren,
die Teil eines weitreichenden gesellschaftlichen, politischen und kulturellen
Umbruchs ist. Wie noch zu sehen sein wird, hat es das in ähnlicher
Form schon vor hundert Jahren gegeben.
"Die
Ferien gehen zur Neige, das Thema Schule wird wieder aktuell. Ein Dauerthema,
hat doch jeder seine Erfahrungen damit gemacht. Nicht selten leidvolle,
wie die Anthologie "Unter dem Rohrstock. Schülerleben um 1900"
dokumentiert. [...] Das meiste ist überwunden, stellt der Leser
erleichtert fest, anderes beklemmend aktuell, denkt man an den 1999
erschienenen Internatsroman "Crazy" von dem jungen Benjamin
Lebert. "Schulgeschichten wollen den Blick für einen Abschnitt
des Lebens schärfen, wo sich zwar nicht alles, aber vieles entscheidet",
schreibt Kastura im Nachwort." (Fränkischer Tag)
© Thomas Kastura
Thomas
Kastura (Hg.):
Unter dem Rohrstock.
Schülerleben um 1900.
München: Goldmann Verlag 2000. 414 Seiten. 8,90 €
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